Hintergrund: Entwicklung Nachhaltigkeitsberichterstattung

Wenngleich in den vergangenen Jahren viel von CSR gesprochen wurde, so hat sich bei der Berichterstattung der Begriff Nachhaltigkeitsbericht duchgesetzt. Wir führen dies darauf zurück, dass die Global Reporting Initiative bereits 1999 die erste Fassung ihrer Leitlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlichte und sich somit der Begriff Nachhaltigkeitsbericht verfestigte bevor die EU den Anstoß für CSR gab.

Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die heute übliche Nachhaltigkeitsberichterstattung hat sich aus der Umweltberichterstattung entwickelt. Die ersten Umweltberichte wurden Ende der 1980er Jahre von Chemiekonzernen veröffentlicht, als sich die Branche starker öffentlicher Kritik ausgesetzt sah und ihr Image verbessern wollte. Weitere Pioniere waren kleine und mittelständische Vorreiterunternehmen, die über ihre herausragenden Aktivitäten im Umweltschutz berichten wollten.

Seit der Einführung der EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS) im Jahr 1995 wurden zahlreiche Umwelterklärungen erstellt. Diese sind als eine Form der Umweltberichterstattung anzusehen und unterschieden sich oftmals auch nicht von ungeprüften Umweltberichten. Ende der 1990er Jahre begannen die ersten Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, indem sie zusätzlich über soziale und ökonomische Themen informierten. Inzwischen ist die Berichterstattung über die Umweltschutzaktivitäten und soziale Belange bei großen Unternehmen weiter verbreitet als die reine Umweltberichterstattung. Allmählich entwickelt sich auch ein Konsens, über welche Themen berichtet werden sollte.

Internationale Tendenzen

Die internationale Nachhaltigkeitsberichterstattung haben vor allem zwei Faktoren entscheidend gefördert: Einerseits die Arbeit der Global Reporting Initiative (GRI) , die den international anerkannten GRI-Leitfaden für Nachhaltigkeitsberichterstattung (GRi G3) vorgelegt hat. Andererseits die zunehmende Bedeutung der ökologisch-ethischen Finanzanlagen (Socially Responsible Investments, SRI) und der entsprechenden Indizes wie z.B. der Dow Jones Sustainability Group Index. Hierfür bewerten entsprechende SRI Ratingagenturen die Performance der Unternehmen im ökologischen und im sozialen Bereich (z.B. Sam-Group , Oekom-Verlag, Siri-Group). Dabei stützen sie sich u.a. auch auf die von den Unternehmen publizierten Nachhaltigkeitsberichte.

Gesetzliche Berichtspflicht

In einigen Ländern gibt es schon seit vielen Jahren für bestimmte Unternehmen eine gesetzliche Verpflichtung über Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten: Dänemark und die Niederlande waren die ersten Länder, die eine solche Berichtspflicht erlassen haben. In Frankreich besteht seit 2003 für die 200 größten börsennotierten Gesellschaften die Pflicht, innerhalb des Geschäftsberichts Zahlen und Informationen zum Umweltschutz und zu den Mitarbeiterinteressen zu veröffentlichen.

In Deutschland sind seit 2006 große Unternehmen, die Geschäftsberichte veröffentlichen müssen, verpflichtet innerhalb des Lageberichts über die Entwicklung relevanter Indikatoren zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelangen zu berichten - sofern diese für den Geschäftserfolg relevant sind. Vergleichbare Regelungen sind auch in anderen EU-Ländern anzutreffen, denn die Berichtspflicht geht auf eine entsprechende EU Richtlinie zurück. Die Auswirkungen in Deutschland hatten wir damals gemeinsam mit Partnern (siehe Projektinformation) untersucht.

Im Jahr 2014 wurde auf EU-Ebene eine Ausweitung der Berichtspflichten im Lagebericht verabschiedet (Richtlinie 2014/95/EU zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen). Die Umsetzung in deutsches Recht wurde nach vielen Diskussionen im März 2017 beschlossen (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz). Die amtlichen Bezeichnungen bleiben weiterhin sperrig, in der Fachszene wird zumeist von der CSR-Berichtspflicht gesprochen.

Die deutsche CSR-Berichtspflicht sieht vor, dass ab 2018 kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern in den Lagebericht eine „Nichtfinanzielle Erklärung“ aufnehmen müssen.
In dieser Nichtfinanziellen Erklärung muss „mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung“ eingegangen werden. Dabei müssen die Unternehmen ihre diesbezüglichen „Konzepte“ (gemeint sind Vorkehrungen und Maßnahmen) berichten und die Entwicklungen mit Kennzahlen beschreiben. Werden keine „Konzepte“ verfolgt, muss erläutert werden weshalb. Auch sind die Risiken, die mit diesen Themen verbunden sind zu beschreiben.

Unternehmen können anstelle der nichtfinanziellen Erklärung im Lagebericht einen eigenständigen Bericht veröffentlichen. Dieser soll sich auf geeignete Richtlinien beziehen, die im allerdings nicht im Gesetz benannt werden. Falls der Bericht sich nicht auf geeignete Richtlinien bezieht, muss dies ebenfalls erläutert werden.

Zusätzlich zu der nichtfinanziellen Erklärung wird bei den Angaben zur Unternehmensführung eine Beschreibung des „Diversitätskonzepts“ für die Verwaltungs- Leitungs- und Aufsichtsorgane des Unternehmens verlangt. 

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) ist ein freiwilliger „Standard“ der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit Finanzanalysten, Unternehmen, Wissenschaftlern und weiteren Experten entwickelt wurde. Nach dem „Comply or explain“- Prinzip können Unternehmen in zwanzig Kriterien und einer Auswahl von quantifizierbaren Leistungsindikatoren ihre Nachhaltigkeitsleistungen beschreiben und eine Entsprechenserklärung veröffentlichen. Der Kodex versteht sich nicht als zusätzliche Anforderung sondern basiert auf den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) und den ESG-Indikatoren des Europäischen Finanzexpertenverbandes EFFAS. Alle Entsprechenserklärungen finden sich auf der Website des Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Die GRI Leitlinen / GRI Standards zu Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) sind international anerkannt und haben sich schon lange als Quasi-Standard etabliert. Dem wird nun seit 2016 auch von GRI Rechnung getragen. Die derzeit gültigen Leitlinien wurden ohne inhaltliche Änderungen in 36 Standards übertragen.

Die ersten GRI-Leitlinien wurden Ende der 1990er Jahre unter Einbeziehung von Stakeholdern erstellt. Sie wurden dann regelmäßig weiterentwickelt, ebenfalls mit umfangreicher Einbeziehung der Stakeholder.

Die GRI-Leitlinien verlangen unter anderem genau definierte Kennzahlen zu wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten der Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen des berichtenden Unternehmens. Zusätzlich gibt es sogenannte Sector Supplements, die spezielle Anforderungen für verschiedene Branchen enthalten.

2013 wurde mit den GRI G4 Guidelines die 4. Generation der Leitlinie veröffentlicht. GRI G4 enthält einige wesentliche Änderungen zum Vorgänger GRI 3.1. Es sind weitere Indikatoren hinzugekommen und zudem werden bei der Bestätigung der Anwendung der Leitlinien nicht mehr die Anwendungslevel A, B und C unterschieden sondern lediglich die Optionen „Core“ oder „Comprehensive“. Die Wesentlichkeitsanalyse hat nun einen größeren Stellenwert. Unternehmen sollen die Relevanz ihrer Nachhaltigkeitsthemen verdeutlichen und über nicht relevante Aspekte auch nicht berichten. Zudem kommt der Darstellung der unternehmensinternen Strukturen und Prozesse zur Umsetzung von Nachhaltigkeit (Disclosure on Management Approach, DMA) eine größere Bedeutung zu. Die Übergangszeit, in der auch noch eine Anwendung von GRI G3 möglich war, ist Ende 2015 abgelaufen.

2016 hat die Global Reporting Initiative die GRI-Leitlinien in 36 GRI-Standards überführt. Zum Zeitpunkt der Umstellung waren Anforderungen der G4-Leitlinien und der Standards gleich. Allerdings werden von nun an nur noch die Standards aktualisiert. Da voraussichtlich nie alle Standards zugleich angepasst werden, wird es von nun an wohl nicht mehr derart umfankreiche Veränderungen geben, wie bei früheren Überarbeitungen der Leitlinien.

Mit der Umstellung auf Standards wird der bereits seit Jahren faktischen Rolle der GRI-Leitlinen als internationaler Quasi-Standard Rechnung getragen. Ende der 1990er Jahre wurde auf ISO-Ebene darum gestritten, einen Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erstellen. Daher trugen die GRI-Anforderungen noch lange die Bezeichnung "Guidelines", auch als es sich schon längts um einen Standard handelte.

Integrierte Berichterstattung

Eine integrierte Unternehmensberichterstattung („Integrated Reporting“) zielt darauf ab, die klassische Finanzberichterstattung mit der Berichterstattung über nicht-finanzielle Aspekte zu verbinden. Den Hintergrund dafür bildet unter anderem die Vorstellung, dass für den langfristigen Unternehmenserfolg auch soziale und ökologische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen. Zugleich steht die Vorstellung im Raum, lange und ausführliche Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte könnten durch einen knappen z.B. 30-seitigen Bericht ergänzt, wenn nicht gar ersetzt werden.

In 2013 wurde dazu der International Integrated Reporting Framework (abgekürzt <IR>) veröffentlicht.  Dieser Berichtsrahmen für integrierte Berichterstattung benennt zwar Berichtsinhalte (z.B. Geschäftsmodell, Chancen und Risiken) versteht sich aber als prinzipienbasiert. Das heißt, er enthält kaum konkrete, sondern vorwiegend allgemeine Anforderungen. Um die Entwicklung der integrierten Berichterstattung zu unterstützen haben mehrere Unternehmen, darunter auch fünf deutsche Konzerne, einen Entwurf des Berichtsrahmens angewendet. Bei den Berichten, die wir gesichtet haben wurden die Anforderungen des Integrated Reporting Frameworks in den bestehenden Geschäftsbericht oder in einen kombinierten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht integriert. 

Rankings und Preise

Die Qualität der Nachhaltigkeitsberichte wird wesentlich durch Rankings und Auszeichungen unabhängiger Institutionen gefördert. International bekannt waren früher das Ranking der britischen Beratungsgesellschaft SustainAbility und der Europäische Umweltberichterstattungspreis der Wirtschaftsprüferverbände.

In Deutschland wurde schon 1994 von IÖW und future e.V. das erste Ranking von Umweltberichten und Umwelterklärungen durchgeführt. Es war die weltweit erste kriteriengestützte Bewertung von Berichten, in denen Unternehmen auf freiwilliger Basis ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten beschreiben.

Weitere Rankings von Umweltberichten folgten 1995, 1998 und 2000. Angesichts der ab Mitte der 1990er Jahre rasant steigenden Zahl von Umwelterklärungen konzentrierten sich future und IÖW seit 1998 auf die Berichterstattung der 150 größten deutschen Unternehmen. Für das Ranking 2005 wurden die Anforderungen grundlegend überarbeitet, um Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte nach der bewährten Methodik bewerten zu können. Auch danach wurden die Kriterien weiterentwickelt, wobei sich inhaltlich nichts wesentliches geändert hat. Für das zuletzt 2011 durchgeführte Ranking wurde die Bewertungsmethode dahingehend angepasst, dass das Nichterfüllen von Mindestanforderungen die maximale Punktzahl in einzelnen Kriterien beschränkt. Dies verursachte bei manchen Unternehmen eine deutliche schlechtere Bewertung im Vergleich zum vorherigen Durchgang, ohne dass die Berichte inhaltlich schwächer waren. 2016 wird das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte erneut durchgeführt.

An den Rankings 1998, 2000 und 2005 und an der Kriterienentwicklung hat der Gründer des Instituts intensiv mitgearbeitet.

Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten

Das Bundesumweltministerium hat 2007 Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten definiert. Diese Kerninhalte gehen bis auf wenige Punkte nicht über die Anforderungen von GRI G3 hinaus und decken sich auch weitgehend mit dem deutschen Ranking. Das besondere ist: Sie fassen die grundsätzlichen Inhalte und Kennzahlen für Nachhaltigkeitsberichte auf zwei Seiten zusammen. Die immer noch aktuellen Kerninhalte sind in der (leider nicht mehr ganz aktuellen) BMU-Broschüre zu Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht.

Weitere Informationen
BMU Broschüre Nachhaltigkeitsberichterstattung

Nachhaltigkeits-         berichterstattung: Empfehlungen für eine gute Unternehmenspraxis

Für das Umweltministerium haben wir zusammen mit Borderstep und future e.v. eine Broschüre zu Nachhaltigkeitsberichterstattung erstellt in der Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten und Grundsätze der Nachhaltigkeitsberichterstattung beschrieben sind (Stand 2009, leider nun teilweise veraltet).

Download PDF

EU-Richtlinie zu Berichtspflicht

Berichtspflicht

Nach langjähriger Diskussion wurde 2014 von der EU eine Berichtspflicht zu Nachhaltigkeitsthemen verabschiedet. Danach wurde in Deutschland um die Umsetzung in das HGB gerungen. Am 9. März 2017 wurde die CSR-Berichtspflicht vom Bundestag beschlossen.

ggff

IÖW und Future führten 2016 wieder das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte durch. Da ich früher mehrfach am Ranking samt Entwicklung der Kriterien mitgearbeitet weiß ich welche wertvollen Impulse dieser Wettbewerb auslöst. Daher freue ich mich sehr, dass dieses Projekt wieder durchgeführt wird.