Definition Energiearmut für industrialisierte Länder

Zu Energiearmut gibt es mehrere Definitionen. Wir halten die Definition der Europäischen Union für gut geeignet.

„Energiearmut bedeutet die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, seine Wohnstätte angemessen und zu einem korrekten Preis zu heizen sowie über weitere grundlegende Energiedienstleistungen wie Beleuchtung, Verkehr oder Strom für Internet und sonstige Geräte zu einem angemessenen Preis zu verfügen“. Europäische Union (2011)

Diese Definition hat allerdings den Nachteil, dass keine konkreten Zahlen bzw. Schwellenwerte definiert werden, die für Statistiken oder andere Messungen herangezogen werden können. Deshalb sei hier auch auf weitere Definitionen verwiesen, die diese Anforderung erfüllen:

In Energiearmut lebt ein Haushalt, wenn 10 % des Haushaltseinkommens für Energie (Wärme) aufgewendet werden müssen und wenn Personen nicht in der Lage sind, ihre Wohnungen angemessen zu heizen (UK Definition, zitiert in Friedl (2012)).

An der Energiearmutsgrenze lebt ein einkommensschwacher Haushalt, der prozentual zu seinem Einkommen doppelt so viel für seine Energiekosten ausgeben muss wie ein Durchschnittshaushalt (gemäß IEA, zitiert in Schäferbarthold (2012)).

In Energiearmut lebt ein Haushalt, der entweder Heizkostenzuschüsse erhält oder zu drei Vierteln von Sozialleistungen abhängig ist und mehr als 10 % seines Budgets für alle Formen des Energieverbrauches (Strom, Wärme, Warmwasser) aufwenden muss (Brenda Boardman, zitiert in Berger (2011)).

Zu den Haushalten in Energiearmut zählen Haushalte, (a) deren Energiekosten über dem Median liegen und (b) deren Haushaltseinkommen nach Abzug der Energiekosten unter der offiziellen Armutsgrenze liegt (Hills (2012)).

Die vorstehenden Definitionen beziehen sich auf industrialisierte Länder. Auf globaler Ebene geht es bei Energiearmut vor allem um die Frage, ob überhaupt eine Versorgung mit Energie vorhanden ist. So waren beispielweise 2009 weltweit rund 1,3 Milliarden Menschen ohne Zugang zu regelmäßiger Stromversorgung.

Quellen

Berger, T. (2011): Energiearmut: Eine Studie über Situation, Ursachen, Betroffene AkteurInnen und Handlungsoptionen. Spectro gemeinnützige Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung, Wien. Download

Europäische Union (2011): Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zum Thema „Energiearmut im Kontext von Liberalisierung und Wirtschaftskrise“ (Sondierungsstellungnahme) (2011/C 44/09). Hauptberichterstatter: Sergio Ernesto SANTILLÁN CABEZA. Amtsblatt der Europäischen Union C 44/53, 11.2.2011. Download

Friedl, C. (2012): Christina Friedl: Ausgangslage, Rahmenbedingungen und Wahrnehmung von Energiearmut in Österreich. Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz. Vortrag auf der ksoe/e7-Fachtagung. Download

Hills, J. (2012): Getting the measure of fuel poverty. Final Report of the Fuel Poverty Review, CASE report 72, March 2012. Download

Schäferbarthold, C. (2012): Ulrich Schäferbarthold: Projektleitung Stromspar-Check, Deutscher Caritasverband, Frankfurt: Warum Energiearmutsberatung in Deutschland? Vortrag auf der ksoe/e7-Fachtagung. Download

Wiener Stadtwerke (2013): Herausforderung Energiearmut und der Beitrag der Wiener Stadtwerke. (VerfasserInnen: Dr. Barbara Zeschmar-Lahl und Thomas Loew)
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Herausforderung Energiearmut und der Beitrag der Wiener Stadtwerke

Dr. Barbara Zeschmar-Lahl und Thomas Loew haben unter Mitarbeit von Experten aus Wien eine Studie zu Energiearmut für die Wiener Stadtwerke erstellt.

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